© Thomas Schweigert

Der Gastronom Tim Seidel wandte sich an den renommierten britischen Architekten Stephen Williams, um sein Kaffeehaus-Konzept umzusetzen. Sein Architektur- und Designbüro Stephen Williams Associates machen das Unsichtbare sichtbar, in dem tiefen Verständnis, dass Orte, eine Plattform sein können, auf der Interaktionen stattfinden. Lebendige Architektur erschöpft sich nicht in dem Bau allein, sondern beginnt erst als Stätte für menschliches Miteinander zu Wirken. Wenn Menschen zusammenkommen, wenn sie ganz bei sich sind und wie selbstverständlich Räume für sich urbar machen, in einem Spiel aus Entdeckung und Kommunikation – auf der Bühne jenseits des Theaters.

So galt es den Geist eines Kaffeehauses im Raum erfahrbar zu machen, als zeitlose Ruhestätte und Ort der Kommunikation zugleich. Ein doppelseitiges Bankelement in der Mitte verleiht dem Raum neue Struktur, Ruhe und Gelassenheit.

Es entstehen Nischen, in die man sich zurückziehen kann – Platz für Getuschel und den konspirativen Plausch. Der Tresen ist mit Kupfer überzogen. Bänke und Stühle sind in einem unaufdringlichen Leder in cognacfarben gehalten. Die Bankhöhe wurde bewusst niedrig angesetzt; sie geben somit einen generösen (Schulter-)Blick auf das Geschehen frei. Die Breite der Tische beträgt nur 45cm, wie beispielsweise in der Pariser Brasserie „La Coupole“.

 

„Ein übergestaltetes Restaurant ist wie die störende dritte Person bei einem ruhigen Dinner for Two.“

Stephen Williams

Ein Piano in der Ecke strahlt Spontaneität aus. Ungezwungen greift man in die Tasten, wenn einem der Kopf danach steht. Alles folgt dem Grundprinzip, ein offenes Ambiente zu schaffen – schnell ins Gespräch zu kommen, mit der Möglichkeit sich ebenso schnell davon zurück zu ziehen. Architektur zum Anlehnen, die sich bewusst im Hintergrund hält. „Ein übergestaltetes Restaurant ist wie die dritte Person bei einem ruhigen Dinner for Two,“ erklärt Stephen Williams. „Wir wollten einen sozialen Raum kreieren, in dem sich Kommunikation entfalten kann, der unsichtbare Schwellen überwindet und damit bis ins letzte Detail selbst demokratisch ist: Ein Spiegelbild des gelebten Lebens.“

Denn letztendlich soll die Weltbühne ein Refugium werden. Wo der Mühelose Zeit findet, um seiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, das Nichtstun.